Kunst und Kultur sind bekanntlich Bereiche mit enormen Frauenmangel. Wahrscheinlich, weil hier die Gagen und Honorare so üppig fließen und sich bekanntlich Frauen absichtlich immer die schlecht bezahlten Jobs suchen, zum Beispiel in der Pflege oder Kinderbetreuung. Daher ist die Suche nach weiblichen Mitgliedern quasi aussichtslos, wenn es Kultur-Gremien, Jurys und Kuratorien aufzustellen gilt. Kaum eine zu finden! So ging es auch der steirischen FPÖ-ÖVP-Landesregierung. Deren überfallsartig neu besetztes Kulturkuratorium, das Empfehlungen für Förderungen ab 3500 Euro ausspricht, besteht aus elf Männern und vier Frauen – ebenso wie übrigens das zuvor. Auch die Vorgängerregierung hatte nur vier weibliche Mitglieder gefunden. Die verstecken sich aber gut, die steirischen Kulturmacherinnen!

(c) Parlamentsdirektion/Photo Simonis
Zwei davon, Edith Draxl und Gunilla Plank, waren die Vorsitzende und ihre Stellvertreterin. Sie wurden, gemeinsam mit elf anderen Mitgliedern, hinauskomplimentiert. Von einer Sekunde auf die andere, während sie noch über den Entscheidungen für mehrjährige Förderungen saßen, erfuhren sie von ihrem Hinauswurf. Wären sie halt nicht so lästig gewesen, hätten sie halt nicht die vorher schon niedrige Frauenquote kritisiert! Ist doch egal, dass das Kulturkuratorium erst vor einem guten Jahr, und zwar bis Ende 2026 neu bestellt wurde. Wie der steirische Kulturlandesrat Karlheinz Kornhäusl über den neuen Beirat im ORF sagte: „Die Damen und Herren sind allesamt Expertinnen und Experten in ihren Bereichen“. Das muss wohl reichen.
„Aufstand gegen den Great Reset“
Dass zum Beispiel der von der FPÖ nominierte Karlheinz Morré auf dem Gebiet der Steuerberatung und als Rechnungsprüfer für die Freiheitlichen reüssierte, ist wahrscheinlich kaum zu bezweifeln. Mit Kultur hatte er bisher nicht rasend viel am Hut, aber das hat der Herr Kornhäusl auch nicht behauptet. Der ebenfalls von den Blauen entsandte Franz Koiner arbeitet immerhin in der Buchbranche. Er ist Marketing- und Vertriebschef im Stocker- sowie im Ares-Verlag und gewiss kompetent auf den Fachgebieten Jagd, Backen, Landwirtschaft und revisionistische Geschichtsschreibung. Im Ares-Verlag erscheinen Bücher wie „Stalingrad – die wahren Helden“ sowie die Zeitschrift „Abendland“, deren jüngste Ausgabe einen Essay über den „Aufstand gegen den Great Reset“ brachte.
„Gottbegnadeter“ Bruno Brehm
Auch der Roman des NS-Kollaborateurs Pierre Drieu la Rochelle sowie ein Buch von Bruno Brehm erschien in dem von Herrn Ingenieur Koiner vermarkteten Haus. Genau, der Brehm, den Adolf Hitler in seine „Gottbegnadeten“-Liste aufnahm und der 1942 schrieb: „Wenn sich die Juden über ihr Schicksal vor der ganzen Welt beklagen, dann müssen wir ihnen doch sagen, dass sie selbst es waren, die dieses Schicksal heraufbeschworen haben.“ Laut Verlag machte Bruno Brehm sich „als Verfasser heiterer Erzählungen, schlichter Kurzgeschichten aus froher Kindheit und insbesondere historischer Romane über das alte Österreich, die Kriegszeit sowie das Auslandsdeutschtum einen Namen.“ Wer mit solcherlei zu tun hat, kann die Literatur der Gegenwart bestimmt gut beurteilen.
Oder wird dies vielleicht Günther Stark, ebenfalls von der FPÖ entsandt, tun? Er wird als „Arzt, Literat“ bezeichnet. Dass im Gesamtkatalog der Österreichischen Büchereien keines seiner Bücher aufzufinden ist, daran ist sicher diese gender- und linksversiffte Kulturschickeria Schuld. Mit „Auslandsdeutschtum“ befasst sich auch Gerhard Krajicek, der mit seiner Frau das Sprachferienlager „Deutsch mit Spaß“ (nur ganz bösarige Naturen fühlen sich dabei an den Begriff „Kraft durch Freude“ erinnert) leitete – „bei dem die Schüler der deutschen Abteilungen des Banater Berglandes bei Spiel, Tanz, Lied und zwanglosem Deutschunterricht ihre Sprachkenntnisse festigen sollten“, wie die Zeitschrift „Lot und Waage“ berichtete. Wie in guten alten Zeiten heißt der Chefredakteur „Schriftleiter“ und ist der Titel am Cover in gotischer Schrift gehalten. Herausgeber ist der Alpendländische Kulturverband, früher: „Alpenländische Kulturverband Südmark“. Dass das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands ihn als „deutschnational ausgerichtete Kleingruppe, die aufgrund ihrer Kontakte im Vorfeld des Rechtsextremismus anzusiedeln ist“ bezeichnete, ist wieder mal typisch für diese linksextremen Gfraster.
Lebe glücklich, lebe froh!
Kompetent ist auch Willi Gabalier, ja, der Bruder! Er hat Kunstgeschichte studiert und tritt nicht nur gern am Akademikerball auf, sondern moderiert auch auf Servus TV die Show „Bares für Rares“, wo Leute ihr Geschirr vom Dachboden begutachten lassen können. Als sein Lebensmotto gibt er auf der Servus-Website eine philosophisch durchdrungene Weisheit an: „Lebe glücklich, lebe froh, wie die Maus im Haferstroh!“

Dass nur vier von 15 Mitgliedern weiblich sind, wen kümmert es bei dieser geballten Expertise? Und wen kümmert es, dass im Gesetz (§ 9 KuKuFöG 2005 Kulturkuratorium) steht: „Bei der Erstattung der Vorschläge und der Bestellung ist auf Ausgewogenheit in Hinblick auf die Regionen der Steiermark sowie die Geschlechter zu achten.“ Ja, man kann ja sehr darauf achten, aber wenn sich die Weiber so gut verstecken? Wo sind sie denn? Nicht aufzufinden. Jedenfalls nicht für den Kulturlandesrat der Steiermark, und auch nicht für den blauen Landeshauptmann, der für die Volkskultur zuständig ist. Außerdem, wie hat unser Volkskanzlerkandidat gesagt? „Ich glaube immer noch, dass der Grundsatz gilt, dass das Recht der Politik zu folgen hat und nicht die Politik dem Recht.“
Experte in Biotech
Viel wichtiger ist, dass tüchtige Unternehmer in diesem Kulturkuratorium vertreten sind, weil ohne die geht nirgendwo niemals gar nix, und sie haben’s in diesem Land eh so schwer. Das sagen bitte auch täglich die Industriellenvereinigung und die Agenda Austria in der „Presse“! Einer der neuen Kulturkuratoren ist Biotech-Industrieller (Ewald Münzer, FPÖ). Bestimmt ein „Experte in seinem Bereich“, wie es der Kulturlandesrat Kornhäusl ausgedrückt hat.

Jedenfalls besitzen diese elf Herren sicher die Kompetenz, über die Förderwürdigkeit von Kunst zu urteilen. Es sind ja nur rund 1000 Anträge pro Jahr, komischerweise dann doch einige von Antragstellerinnen. Aber Frauen haben es eh lieber, wenn Männer über sie bestimmen.
„Auf kan Foi mehr Gretln“ ins Kulturkuratorium
Wenn der Herr Unternehmer sagt, nein, diese literarische Anthologie über Care-Arbeit fördern wir nicht, dann wird er schon wissen, warum. Und wenn der Willi Gabalier – oder wer halt sonst über die bildende Kunst entscheidet – meint, nein, jenes Ausstellungsprojekt über feministische Kunst der Gegenwart ist überflüssig? Dann dürfen die Kuratorinnen und Künstlerinnen heimgehen, Kuchen für ihre Angetrauten backen und somit lustig und froh wie die Maus im Haferstroh leben – ganz ohne sich um lästige Budgeterstellungen, Werklisten und Hängepläne kümmern zu müssen. Gut, dass die Männer uns auch in der Kunst zeigen, wo’s langgeht. Überhaupt, wenn sie erfolgreiche Unternehmer und gestandene Patrioten sind. Daher kann sich dieser Blog nur dem Frauennetzwerk „MurauerInnen“ anschließen, die in ihrem „Faschingstipp Nr. 7“ (siehe Abbildung oben) warnten: „auf kan Foi mehr Gretln“ – also mehr Frauen – in das Kulturkuratorium einzuladen.
Lebe Glücklich lebe Froh! Genau so soll es sein. Vielen Dank für die Inspiration!
Stimmt…nur, wenn die Rechtsextremen über Kulturförderungen bestimmen, wird es mit dem Glück schwierig.
Schade dass hier alles sehr einseitig dargestellt wird und sogar akademische Ausbildungen der Kuratoriumsmitglieder in der Kunst und Kultur Sparte nicht erwähnt werden…. zufällig anscheinend 😉
Sehr geehrter Herr Gabalier, vielen Dank für Ihren Kommentar. Aus meiner Sicht jedoch reicht eine akademische Ausbildung alleine nicht, um über Förderanträge im Bereich der Kunst zu urteilen. Über eine solche verfügt ca. ein Drittel der österreichischen Bevölkerung. Dafür braucht es schon mehr fachliche Expertise. Diese geht in dem Kuratorium leider ab. Abgesehen von der ganz offensichtlichen Umfärbung in politischer Hinsicht.
Liebsten Dank für die Worte!
Danke für diesen Artikel!
Es ist frustrierend, zwar konnte in der Regierungsbildung noch das Schlimmste verhindert werden, aber man sieht: von den Ländern aus kriecht der Rückschritt heran. Frau und Künstlerin – unerhört!
Wir sehen hier halt sehr genau, was auch im Bund geschehen würde. Nämlich, genau wie in Ungarn und der Slowakei: raus mit den Expertinnen, rein mit den Parteigängern und Freunderln.
Ja, da bleibt echt nur schwarzer Humor. Wir marschieren wirklich stracks ins Jahr 1933 zurück.
Ich hoffe, dass da noch mehr Kritik kommt. Es muss sich auch die ÖVP verantworten, wie so das zulassen kann.