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Was macht man als kunstfeministisch bloggende Person, wenn man im Homeoffice festsitzt? Wenn die Hinweise auf feministische Künstlerinnen, Ausstellungen und Themen ausbleiben, weil die üblichen Zufallsgespräche plötzlich wegfallen? Und wenn man nicht durch Museen oder Ateliers streifen kann, um sich etwas anzuschauen? Richtig: Man wühlt in dem Kisterl, auf dem das Schild „Artemisia“ klebt, wo man schlampig Zettelwerk und Flyer, Ausdrucke von Emails und Einladungen reingepfeffert hat, die ansonsten nie Beachtung finden. Auf einem dieser handgeschriebenen Zetteln las ich nun: „Männer, die Künstlerinnen vorwärts bringen oder brachten“. 

In den eineinhalb Jahren, in denen ich diesen Blog schreibe, war nur selten von Männern die Rede. Das scheint naheliegend. Doch gerade in mächtigen Positionen braucht es solche, die Künstlerinnen pushen. Und es gibt sie, die Feministen. Vielleicht sind sie auch keine Feministen, sondern haben einfach erkannt, dass Künstlerinnen-Shows auch beim Publikum ziehen. Trotzdem.

Hier sind meine Top Five: 

Feministische Messages: Abdelkader Damani

Im Vorjahr entschied der Abdelkader Damani, Kurator der ganz neuen Rabat Biennale, seine Liste ausschließlich mit Künstlerinnen zu bestücken. Gerade an diesem Ort eine bemerkenswerte Entscheidung. Dass noch dazu Katharina Cibulka ihre mittlerweile recht bekannten Plakate mit feministischen Messages aufhängen konnte, erscheint umso bemerkenswerter. „As long as following our rules is more important than following our hearts, I will be a feminist”. Danke, Herr Damani.

Abdelkader Damani
Abdelkader Damani

Neue Ankaufsstrategien: Christopher Bedford

Der Chef des Baltimore Museum of Art beschloss, 2020 nur Werke von Künstlerinnen zu erwerben. Er getraute sich sogar, Arbeiten von weißen Männern, unter anderem sogar Andy Warhol, zu verkaufen, um höhere Summen dafür aufzustellen. Ein Schritt, der in Österreich völlig undenkbar wäre, auch, weil das Thema De-Accessioning ein wirklich heikles ist. Trotzdem kann ich nur Bianca Kovic, der Direktorin der National Association of Women Artists beipflichten, die gegenüber artnet sagte: “What the Baltimore museum is doing is so cool. We think all museums should do it.”

Christopher Bedford
Christopher Bedford, Foto: Courtesy Christopher Myers Photography

100 % Women: Richard Saltoun

Renate Bertlmann, Annegret Soltau, Greta Schödl und viele andere Künstlerinnen, von denen manche heute kaum bekannt sind: Der Londoner Galerist mit Sitz in Mayfair legt seit der Eröffnung seines Geschäfts 2012 einen Schwerpunkt auf weibliche Positionen, häufig dezidiert feministisch arbeitende Künstlerinnen. Bis vor kurzem programmierte er ein Jahr lang „100  % Women“ –  mit Ausstellungen unter anderem zu Gina Pane oder Feminismus in der italienischen Gegenwartskunst. Na denn: Mehr Feministen in den Kunstmarkt!

Einfach machen lassen: Max Hollein

Gut, die großartigen Künstlerinnen-Ausstellungen kuratierte eine andere, die hier schon öfter gelobte Ingrid Pfeiffer. Doch dass die Frankfurter Schirn Kunsthalle derart pionierhaft in der Aufarbeitung von weiblichen Positionen der Kunstgeschichte sein konnte, ist auch ihrem einstigen Chef zu verdanken. Wie viele andere Direktoren (und vielleicht Direktorinnen?) hätten sich noch vor zehn, fünfzehn Jahren gescheut davor, Ausstellungen mit rein weiblicher Beteiligung zu zeigen, schlicht aus Angst vor geringem Besucherinteresse? Im aktuellen Hype um Künstlerinnen ist die Schirn nun vorn dabei. Der Grundstein dazu wurde während Holleins Amtszeit gelegt.

Max Hollein
Max Hollein (c) Gaby Gerster / CC BY-SA (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)

Altmeisterinnen aus der Versenkung: Eike Schmid

Ja, der Mann hatte in Wien zuletzt schlechte Presse, und zwar völlig zu Recht. Auch auf diesem Blog. Wie er mit dem Amt und Sabine Haag umging, war nicht in Ordnung. Aber: In den Uffizien, zu denen auch der Palazzo Pitti gehört, brachte er einiges weiter in Sachen Alte Meisterinnen. Gerade in einem Segment, wo man weibliches Kunstschaffen – aufgrund der eh hinlänglich bekannten Hindernisse für Frauen damals – mit der Lupe suchen muss, brachte er bis dahin teils völlig unbekannte Malerinnen einem größeren Publikum nahe: die Klosterschwester Plautilla Nelli, die schon etwas berühmtere Elisabetta Sirani, dazu eine Schau mit Künstlerinnen im 18. Und frühen 19. Jahrhundert. Die Ausstellung der Barockmalerin Giovanna Garzoni im Palazzo Pitti konnte leider aufgrund Covid-19 nicht eröffnen.

Eike Schmidt (c) Regina Eigner / BKA

Hoffen wir, dass diese entsetzliche Pandemie bald vorbei ist und wir wieder Ausstellungen großartiger Künstlerinnen ansehen können. Denn während die einen mehr oder weniger gemütlich daheim sitzen und sich Geschichten für Blogs ausdenken, schuften andere unter bedrohlichen Bedingungen. Jede Supermarktkassierin, jede Pflegerin, jede Ärztin und Krankenschwester leistet im Moment Großes. Ich hoffe, die mächtigen Männer in Politik und Wirtschaft vergessen das auch dann nicht, wenn wir wieder aufatmen können.

5 Kommentare

  1. Cool, hier noch Mark Damon Harvey Kulturist | transculture.ch | Mitgründer des internationalen Femme Artist Table | FAT und FATart eine Intitative für die Frauen* in der Kunst, Zürich und Schaffhausen
    100% Frauen* seit 2016! FATart.ch / femmeartisttable.blogspot.com |

    Wir bringen Künstlerinnen* ans Tageslicht, von denen wahrscheinlich wenige schon gehört haben weil 50% davon nicht hier sozialisiert wurden, die Kunst von Frauen* wollen wir kennenlernen !

  2. Liebe Nina, darf eine geneigte Leserin deines Blogs auch nominieren? Ich nenne Thomas T. Trummer, der im Kunsthaus Bregenz so unterschiedlichen Künstlerinnen wie Miriam Cahn, Rachel Rose, Bunny Rogers, Raphaela Vogel eine große Bühne gibt.

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