Sophia Süßmilch, das Cowgirl mit der Banane

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Es ist ein recht abgewracktes Cowgirl, das hier zwei Pferde mit Bananen bedroht: „Alles hört auf mein Kommando“ heißt das Triptychon von Sophia Süßmilch, das sie in ihrer Ausstellung „Das Glück der Erde“ in der Galerie http://www.aacollections.net kürzlich zeigte. Auf dem Hut der Lady sitzt eine Art Farn, auf ihrem rosa Körper knallen die Geschlechtsorgane heraus, die Brüste drehen sich wie Kipferl zur Seite und die Haare stehen fast waagrecht vom Kopf ab. Zu ihrer Linken und ihrer Rechten tanzen zwei Pferde, offenbar von ihr domptiert. „Das in der Mitte, das ist schon ein Selbstportrait meines 35-jährigen Ichs, würde ich sagen“, meint Sophia.

Sophia Süßmilch, Pferde, Aa Collections
Sophia Süßmilch, „Alles hört auf mein Kommando“, 2018, Foto: NiS

Auf anderen Bildern geht es den Vierbeinern nicht ganz so gut. Auf einem bohren sich Messer und Pfeile in den Körper eines Kentauren, auf einem anderen sitzt eine nackte Frau, der die Beine fehlen, auf dem Boden, in den Armen den Rumpf eines Gauls. Auch ihre Sammlung an Pferden – aus Stroh, Plastik, Stoff, Wolle, sogar Porzellan – arrangierte die Künstlerin. Sie gruppieren sich zumeist in den Ecken, Artefake, die so kitschig wie nostalgisch sind.

Schon als kleines Kind lernte Sophia zu reiten. Und wie geht das Reiten mit ihrer feministischen Haltung zusammen? „Ich habe über dieses Gefühl nachgedacht, das ich damals hatte, und das hatte definitiv mit Macht und Freiheit zu tun. Also auch mit Unabhängigkeit.“ Unabhängigkeit und Selbstermächtigung, das habe sie schon damals selbst beim Ausreiten empfunden. „Und darum geht es für mich derzeit für mich zunächst im Feminismus: Selbstermächtigung.“

Sophia Süßmilch, Ausstellung „Das Glück der Erde“, Aa Collections, Wien 2018, Foto: Aa Collections

Wobei: In ihren Bildern sind die Pferde und ihre Reiterinnen ambivalent, verschmelzen, lösen sich auf, sind nur noch in Teilen vorhanden. Ihr Stil, sehr graphisch und vordergründig naiv, lässt ihre Sujets manchmal zunächst witzig erscheinen, doch schon auf den zweiten Blick enthüllt sich oft ein grausamer Aspekt, wird das vorgeblich Kindliche gebrochen. Da entfaltet ein wunderschöner Schmetterling seine Flügel – und dann prangt auf seinem Kopf ein kleines Hakenkreuz.

Sophia Süßmilch, Pferdestrauß, 2018
Sophia Süßmilch, Pferdestrauß, 2018, Foto: NiS

Doch ist umgekehrt nicht dieser ganze Wendy- und Black-Beauty-Kram zutiefst klischeehaft, werden da nicht ganz stereotype Vorstellungen von Mädchen verbreitet, wie auch die Medienpädagogin Maja Götz in der Frankfurter Rundschau analysierte? „Ich habe auch diese Pferdezeitschriften gehabt, klar sehe ich das auch kritisch, und das ist verkitscht“, so die Künstlerin. „Ich weiß nicht, warum Mädchen so arg dieses Pferdedings haben. Ob es an sie rangetragen wird wie alles, oder ob das ist wie mit Barbies und Autos spielen.“ Mit ihren zerrupften, aber wackeren Heldinnen und derangierten Tieren lenkt sie den Blick jedenfalls genau dort hin.

 

Hier findet ihr weitere Werke von Sophia Süßmilch:

http://www.flachware.de/sophia-suessmilch/

Sophia Süßmilch
Sophia Süßmilch, Bügelhilfe, 2018, Foto: NiS

 

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