Hello 2019!

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Es wäre zwar ja an sich super, jetzt doch noch geschwind nach München zu fahren, diese Ausstellung „Weltempfänger“ ansehen, mit Hilma af Klint und so weiter. Und dann mal in die Tate, die Women-Only-Permant-Show besichtigen, die Maria Balshaw versprochen hat. Natürlich die „Ladies of the Baroque“ in Gent. Oder die Bauhäuslerinnen im Kunstgewerbemuseum Dresden, in der Ausstellung „Gegen die Unsichtbarkeit“

Dummerweise fehlt mir einerseits die Zeit für Interrail, andererseits das Geld für ein glitzy Jet-Set-Dasein. Weshalb ich wohl bloß einen Bruchteil meiner Bucket List umsetzen kann. Renate Bertlmann in Venedig wird sich wohl auch ausgehen.

Und glücklicherweise gibt’s auch in Wien einige Ausstellungen, auf die man sich aus künstlerisch-feministischer Sicht 2019 freuen kann. 

„Stadt der Frauen. Künstlerinnen in Wien von 1900 bis 1938“, Belvedere

Die Rolle von Künstlerinnen im frühen 20. Jahrhundert in Wien war bis dato nicht besonders überbelichtet. So war einem kaum bewusst, wie rege sie am Kunstleben teilnahmen, dass sie ihre Galerien hatten, ihre Arbeiten verkauften, gut im Geschäft waren und große Ateliers führten. Wie zum Beispiel die Bildhauerin Teresa Feodorowna Ries, die eine unglaublich faszinierende Persönlichkeit gewesen sein muss und mit ihrer „Hexe bei der Toilette für die Walpurgisnacht“ ein ziemlich widerborstiges Weibsbild schuf. Oder die Helene Funke, die mit ihren elegischen Frauenporträts sowas wie Sisterhood abbildete. Und natürlich Broncia Koller-Pinell, Elena Luksch-Makowsky, Friedl Dicker, Lilly Steiner, diese ganze Stimmungsimpressionismus-Partie und so, so, so viele andere! Kuratorin Sabine Fellner, die schon 2016 gemeinsam mit Andrea Winklbauer diese unglaublich tolle Ausstellung „Die bessere Hälfte“ im Jüdischen Museum kuratierte, zeigt im Belvedere die weibliche Seite der Wiener Moderne. Man darf nicht nur auf die Schau, sondern auch auf den Katalog gespannt sein, der wohl viel Neues bieten wird. 

Helene Funke
Helene Funke, Träume. Foto: Johannes Stoll © Belvedere, Wien

„Flying High. Künstlerinnen der Art Brut“, Kunstforum

August Walla, Adolf Wölfli, Johann Hauser: Das sind so Namen, die man aus der Art Brut kennt. Künstlerinnen? Wenige. Doch es gab sie. Und zwar schon lange. Aber obwohl das Art Brut Center in Gugging immer wieder vereinzelt Künstlerinnen zeigte – Ida Bachmann oder Judith Scott zum Beispiel – fehlte bisher eine umfassendere Darstellung. Das Kunstforum holt dies jetzt nach. Ob es zwar tatsächlich „eine Art Marktrausch auch auf die weibliche Seite der Art Brut“ gibt, wie die Website des Kunstforums verlautet, wage ich zu bezweifeln; die Ausstellung, kuratiert von Kunstforum-Chefin Ingried Brugger und Kunstsammlerin Hannah Rieger verspricht dennoch interessant zu werden. 

Madame Favre
Madame Favre, Ohne Titel, 1860, Bleistift auf Papier. Courtesy Henry Boxer Gallery

„Eva Hesse. Zeichnungen“, Mumok 

2004 war in Wien die letzte Eva-Hesse-Ausstellung, ich kann mich auch an sonst keine andere erinnern. Leider ist die früh verstorbene Pionierin, die schon in den 60er-Jahren mit Latex und Fiberglas und derlei damals in der Kunst fremdartigen Zeug arbeitete, bei uns nach wie vor viel zu wenig bekannt. Das und die Tatsache, dass sie sich auch mit dem Feminismus beschäftigte, macht sie zu einer der interessantesten Künstlerinnen dieses Ausstellungsjahrs in Wien. Die Ausstellung im Mumok, kuratiert von Manuela Ammer und Barry Rosen, fokussiert sich auf grafische Arbeiten. Ich hoffe, es kommt dann irgendwann eine große Ausstellung von Hesse, mit Latex und so. 

Eva Hesse
Eva Hesse, No title, 1964, © The Estate of Eva Hesse. Courtesy Hauser & Wirth

„Stone Telling“, Kunstraum Niederösterreich

Das Abstract zu dieser Ausstellung klingt mindestens so abgefahren wie es diese coole Hexenausstellung voriges Jahr im Kunstraum war: „Stone Telling“ dreht sich um die Rezeption von feministischer Science-Ficition Literatur und dem Potential von queer-feministischem Storytelling. Kuratiert wird die Ausstellung von Daniela Hahn und Andrea Lehsiak, die meisten der Teilnehmerinnen sind in den 80er- und 90er-Jahren geboren. Wie das wohl aussieht, wenn ein Axolotl über die „Mixtec-Aktivistin“ (was auch immer das ist) Bety Cariño erzählt? Die Arbeit von Naomi Rincón Gallardo wird uns diese Frage beantworten. 

Naomi Rincón Gallardo, Insaciables (still), 2014, Video

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