Florentina Pakosta und ihre geheimen Peniszeichnungen

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Es gibt viele bemerkenswerte Kunstwerke in der Albertina-Ausstellung von Florentina Pakosta die Elsy Lahner so umsichtig und mit feinem Gespür kuratiert hat. Zu den auffälligsten gehören jene drei Arbeiten – in Pakostas typischem Kreuzschraffur-Stil – auf denen Penisse zu sehen sind („Männliche Genitalien in nicht erigiertem Zustand“).
Jeweils sechs Ansichten, in zwei Dreierreihen übereinander, Ansicht von links, frontal und rechts.

 

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Florentina Pakosta, „Männliche Genitalien in nicht erigiertem Zustand“, 1976, Tinte und Feder auf Papier, MUSA  © Bildrecht, Wien, 2018

 

„Es sind keine Phalli, sondern männliche Genitalien in ruhendem Zustand. Das erigierte Glied steht für Macht und Kampf. Ich wollte zeigen, dass das nicht so sein muss“, erklärte die Künstlerin, als ich sie für ein Porträt im Nachrichtenmagazin profil in ihrem Atelier besuchte. „Ich hab nichts gegen Männer, denn ich finde sie schön. Schöner als Frauen. Und die männlichen Genitalien gefallen mir als Künstlerin sehr, so aus der Distanz.“ Im Ausstellungskatalog schreibt Elsy Lahner: „Ihr ist an einer Gleichstellung, nicht an einer Bloßstellung gelegen.“ 1976 – also: 110 Jahre nach Courbets „L’Origine du Monde“ – entstanden die Bilder, von denen heute eines im Besitz des MUSA ist. Allerdings hat Pakosta sie erstmals in den 1990er-Jahren ausgestellt.

Maria Christine Holter erzählt im Katalog des Leopold Museums, 2011 anlässlich einer Ausstellung der Künstlerin dort erschienen, dass Pakosta 1983 einmal von Peter Gorsen zu einer Ausstellung „Frauen sehen Männer“ einlud, in die ihre Peniszeichnungen wohl gut gepasst hätten. Nicht einmal dafür hat sie diese vorgeschlagen. Und auch ihrem Vertrauten Otto Breicha zeigte sie die Arbeiten nie. Warum diese Zurückhaltung? „Ich habe mich nicht getraut!“ Ob sie jemand dafür angegriffen hätte, habe ich sie gefragt. „Nein! Nein!“, rief sie, als hätte ich etwas ganz Grundsätzliches nicht verstanden. „Anders! Die hätten mich so ausgelacht, dass ich unter den Tisch gekrochen wäre. Sie hätten mich so lächerlich gemacht! Und da hätten die Frauen mitgetan.“

 

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Florentina Pakosta, „Männliche Genitalien in nicht erigiertem Zustand“, 1976, Tinte, Feder auf Papier, Albertina  © Bildrecht, Wien, 2018

 

Man muss vermuten, dass sie damit recht hat. Im aktuellen Albertina-Katalog erzählt Elsy Lahner eine Episode in der Karriere von Renate Bertlmann: 1975 hatte sie eine Serie mit dem Titel „Hodenbewegung“ für die legendäre Ausstellung „MAGNA. Feminismus: Kunst und Kreativität“ in der Galerie nächst St. Stephan eingereicht. Diese wurde damals von Oswald Oberhuber geleitet. Er lehnte die Arbeiten ab mit der Begründung, er käme sich damit „exhibitioniert“ vor. In den USA war man weiter. Louise Bourgeois posierte 1982 für das ikonische Foto von Robert Mapplethorpe mit ihrer „Fillette“, ihrer übergroßen Skulptur eines Penis. Den sie hier so unter den Arm klemmte, als wäre er ein Baguette. Oder vielleicht auch eine Waffe.

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