Best of 2018

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Mit diesen Best-of-Irgendwanns geht’s den meisten wie mit Rankings. Man weiß zwar, es ist eh total persönlich, ausschließlich kapitalistisch oder sonstwie bedenklich. Aber trotzdem: Wenn dann „Monopol“ sagt, wer 2018 die wichtigsten Persönlichkeiten in der Kunst waren, liest man es trotzdem (um sich hinterher aufzuregen, warum dieser und nicht jene, warum jene und nicht dieser….). Und als nächstes fallen einem all die Dinge ein, die man dieses Jahr so gesehen hat und die soooo toll waren. Hier also, alphabetisch geordnet, die absolut subjektiv, fern jeglicher Objektivität ausgewählten artemisia.blog-Ausstellungs-Highlights, das Best-of 2018.

1. Candice Breitz: Sex Work, Museum Frieder Burda, Berlin

Candice Breitz gerierte nicht nur in der Debatte um die weitgehend frauenlose Ausstellung im NRW Forum Aufmerksamkeit. Sondern auch mit ihrer wirklich großartigen Schau im Museum Frieder Burda, wo ausgerechnet die verschwitzten Rotlicht-Fantasien William Copleys von ihren Videoarbeiten begleitet wurden. In einer Installation inszenierte sie eine vielschichtige Performance über getötete Prostituierte, und auf vielen Monitoren erzählten Sexarbeiterinnen über ihren Alltag und ihre Erlebnisse. Selten eine so differenzierte Arbeit zu diesem Thema gesehen. 

Candice Breitz
Candice Breitz, Still from TLDR, 2017, 13-Channel Installation. Featured here: Gabbi, Emmah, Jowi, Connie and Nosipho Vidima. Commissioned by the B3 Biennial of the Moving Image, Frankfurt. Courtesy: KOW, Berlin

2. Nilbar Güreş. Overhead, Lentos Kunstmuseum Linz

Ich bewundere es unendlich, wenn Künstlerinnen Politik und Poetik zusammenbringen. Nilbar Güreş ist eine, die das irre gut kann. Allein ihre mittlerweile berühmte Arbeit, in der sie die Schleier ihrer Verwandten ablegt: so toll! Dann ihre Collagen, in denen sie den ganzen Terror der Häuslichkeit auferstehen lässt, ihre Foto-Tableaux über die Henna-Nacht, in der Frauensolidarität über Generationen hinweg zelebriert wird, ihre Arbeiten zu Transgender-Prostituierten. Ich frage mich zwar, wieso in ganz Wien bisher keine einzige große Institution eine anständige Soloshow von ihr gezeigt hat. Aber dieses Problem betrifft leider eh eine ganze Generation an Künstlerinnen und Künstlern. Also: danke, Lentos, dafür, dass du uns eine Mid-Career-Survey von Nilbar Güreş beschert hast!

Nilbar Güreş
Nilbar Güreş, Wildness, 2014. Courtesy Galerie Martin Janda, Wien

3. Magic Circle, Kunstraum Niederösterreich, Wien

Was haben Hexen mit Feminismus zu tun? Die Kuratorinnen Katharina Brandl und Daniela Brugger versammelten punkige Keramikhände mit Mega-Krallen (Roxanne Jackson), großflächige Collagen (Johanna Braun) und ein feministisches Tarotspiel (Suzanne Treister) und komponierten sie mit einer Reihe anderer Arbeiten zu einem witzigen, aufschlussreichen und lustvollen Parcours. Insofern ist die Entscheidung, Katharina Brandl als Leiterin des Kunstraums nach der famosen Christiane Krejs zu bestellen, sicher eine gute.

Kunstraum Niederösterreich
Kunstraum Niederösterreich, „Magic Circle“, Ausstellungsansicht. © Eva Würdinger

4. Florentina Pakosta, Albertina

Sie ist einfach: groß. Man kann auch nicht behaupten, dass Florentina Pakosta in den vergangenen Jahren ignoriert worden wäre. Nein, schon das Leopold Museum zeigte ihre Arbeiten vor wenigen Jahren groß. Doch warum nicht eine Schau mehr? Erstens rückte die Ausstellung in der Albertina, umsichtig kuratiert von Elsy Lahner, dezidiert die feministischen Aspekte ihres Schaffens in den Mittelpunkt. Und zweitens, hey, wie viele Maler aus dem Hause Ropac hat die Albertina allein seit ihrer Wiedereröffnung 2010 schon mehrmals ausgestellt? Also.

Pakosta_Penis
Florentina Pakosta, Männliche Genitalien in nicht erigiertem Zustand, 1976, Tinte und Feder auf Papier, Albertina Wien. © Bildrecht, Wien, 2018

5. Michaelina Wautier. Baroque’s leading Lady, Museum aan den Stroom, Antwerpen

Kein Mensch kennt die flämische Barockmalerin, von der ein Monumentalgemälde im Kunsthistorischen Museum hängt. Das tolle Museum in Antwerpen zeigte in einer sparsam gehängten, aber umso wirkungsvoller inszenierten Ausstellung, kuratiert von der ausgewiesenen Expertin Katlijne Van der Stighelen, einen ersten Einblick in ihr Werk. Demnächst ist der „Triumphzug des Bacchus“ auch wieder zurück im KHM. Mehr dazu demnächst.

Michaelina Wautier
Michaelina Wautier, Porträt von zwei Mädchen als Heilige Agnes und Dorothea (Foto: NiS)

Bis dahin euch allen: einen guten Rutsch ins neue Jahr, auf ein feministisches 2019, und lasst uns alle ein Glas auf Maria Balshaw trinken!

Na gut, zwei. Oder drei.

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