Leider: Es ist ein Genderthema

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Es ist toll, wenn Männer solidarisch sind. Wenn sie uns in Führungspositionen hieven, wenn sie uns Tipps geben, wie wir uns besser positionieren können, wenn sie freiwillig ihre Plätze räumen, um uns ans Ruder zu lassen. 

Frauenförderplan à la Schmidt

So einer ist Eike Schmidt. Denn, wie wir jetzt wissen, kommt er ins Kunsthistorische Museum (KHM) hauptsächlich deswegen nicht, um Sabine Haag weiter dort werken zu lassen. Wie ungemein großzügig von ihm! In einem Interview mit dem „Spiegel“ sagte er gestern: „2017 wurde ich zum neuen Generaldirektor berufen. Doch ich konnte rasch feststellen, dass meine Vorgängerin Sabine Haag keinen neuen Posten außerhalb des Museums angenommen hat, wie es zu erwarten gewesen wäre.“ Tatsächlich hatte sie, wie sie mir in einem Gespräch vor dem ganzen Theater sagte, offenbar noch keine Entscheidung getroffen über ihre weitere Karriere. Ist vielleicht auch nicht so einfach, nach so einer Position. Jedenfalls war sie sich sicher, dass sie nicht im KHM bleiben würde. Und was sagt ihr Gönner? „Sie auf eine zweite Ebene herunterzustufen, wäre unwürdig gewesen.“ Sein Fazit: „Für mich wurde immer deutlicher, dass sie gern ihre Stelle behalten würde, und es kann nicht zwei Direktoren geben. Ich befürworte, dass sie es nun auch tatsächlich bleibt.“ So schaut also der Frauenförderplan à la Schmidt aus. 

Sabine Haag
Sabine Haag (Foto: KHM-Museumsverband)

Sabine Haag springt ein

Leider: Die ganze Sache ist ein Genderthema. Hier geht es nicht nur um eine erfolgreiche und beliebte Museumsdirektorin, deren Vertrag von einem kurzsichtigen Minister nicht verlängert wurde – die Kommission hatte übrigens sowohl Haag als auch Schmidt und, wie die Kollegin Olga Kronsteiner mir gerade auf Facebook schrieb, jemand anderen empfohlen, die Entscheidung war also eine politische. Sondern es geht auch darum, wie sie dauernd von Männern overruled wird. Sämtliche Kulturminister, außer der aktuelle (der noch nicht viel Gelegenheit hatte) haben sich ihr gegenüber schlecht verhalten: Josef Ostermayer „redimensionierte“ ihr das Weltmuseum, Thomas Drozda verlängerte ihren Vertrag nicht, mit der Begründung, dass ihr Konkurrent das Museum „ins 21. Jahrhundert führen“ sollte (wo es längst angelangt ist, zum Vergleich schaut mal bitte auf die Website der Uffizien und sucht dort zum Beispiel den Pressekontakt), und Blümel riß ihr, die, eh schon großzügig, die interimistische Leitung übernahm, das Gehalt noch runter. Und was tut Haag jetzt, nachdem der Herr Schmidt doch in Florenz bleibt? Genau. Springt wieder ein. Mal sehen, wie das weitergeht.

Das Problem ist leider nicht aufs KHM beschränkt. Denn Frauen scheinen in Leitungspositionen in der Kultur wieder weniger zu werden. In der „Presse“ schreibt Eva Blimlinger, ehemalige Akademie-Rektorin, vielleicht ja bald Kulturministerin: „Mann muss Frau folgen: Kušej folgt Bergmann, Schmidt folgt Haag – Frauen sanieren, konsolidieren, was Männer hinterlassen haben.“ Bei den Bundesmuseen wurde Peter Aufreiter als Nachfolger von Gabriele Zuna-Kratky bestellt. Der Frauenanteil in den Bundesmuseen wäre mit einem Amtsantritt von Eike Schmidt ziemlich gesunken. 

Maria Balshaw
Maria Balshaw, Foto: Hugo Glendinning

Schon mal besser

Für die profil-Geschichte, die mich diese Woche in Atem gehalten hat, telefonierte ich auch mit Marion Ackermann. Sie leitet die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und sagte, dass Frauen an der Spitze von Museen wieder seltener würden. Wie auch Sabine Haag ist sie in einer Gruppe von Führungskräften internationaler Museen. Da sinke die Zahl der Kolleginnen. In Deutschland gebe es überhaupt ganz wenige Frauen, die wichtige Museen leiteten. Ihr Eindruck ist, dass das schon mal besser war. 

Eines ist jedenfalls klar: Wenn weniger Museumsdirektorinnen am Werk sind, dann dreht sich das Rad der Zeit zurück. Dann gibt es weniger Kuratorinnen, dann werden weniger Künstlerinnen ausgestellt. Damit spreche ich gegen keinen einzigen Mann, weder gegen Peter Aufreiter noch gegen Martin Kušej. Und, eh klar, auch Museumsdirektorinnen können Künstlerinnen ignorieren oder auf familiäre Bedürfnisse ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter pfeifen. Aber letztlich ist die Sache im Großen und Ganzen doch so: Wo Frauen in wichtigen Positionen sind, ziehen andere Frauen nach. Und ich glaube, wir müssen jetzt höllisch aufpassen, dass das, was Direktorinnen wie Haag, Ackermann, Stella Rollig, Maria Balshaw und viele andere erreicht haben – nämlich zu zeigen, dass Frauen dem Druck einer solchen Position gewachsen sind, und ja, auch Frauen mit Kindern – dass das nicht wieder den Bach runter geht. Hoffentlich lacht sich Sabine Haag schief über Eike Schmidts kuriose Aussage.

Marion Ackermann
Marion Ackermann, Foto: Jindřich Nosek

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